„Barbie Vagina“: Warum ich diesen Trend in der Intimchirurgie ablehne

Dr. med. Marwan Nuwayhid18. Oktober 20267 min Lesezeit
Körper

Seit mehr als 25 Jahren gehört die Intimchirurgie zu meinen Schwerpunkten. In dieser Zeit haben sich die Eingriffe verändert, die Schönheitsideale und auch die Fragen, mit denen Frauen zu mir kommen. Ein Begriff taucht dabei in letzter Zeit immer wieder auf: die sogenannte „Barbie Vagina“. In einem ausführlichen Interview habe ich darüber gesprochen, was ich von solchen Trends halte und was eine Korrektur der Schamlippen leisten kann. Die wichtigsten Gedanken daraus habe ich hier für Sie zusammengefasst.

Auf dieser Seite

Was zur Intimchirurgie gehört: die fünf Bausteine der Vulva

Die Intimchirurgie umfasst eine ganze Reihe von Eingriffen. Manche sind rein optischer Natur, andere sind medizinisch begründet. Wenn ich eine Vulva beurteile, betrachte ich sie immer als Ganzes, das aus fünf Bausteinen besteht:

  1. der Schamhügel (Venushügel)
  2. die großen Schamlippen
  3. der Klitorismantel (Klitorishaube)
  4. die kleinen Schamlippen
  5. der Dammbereich

Diese Bausteine müssen miteinander harmonieren. Jeder von ihnen lässt sich korrigieren, mit einer wichtigen Ausnahme: An der Klitoris selbst operieren wir nie. Wenn nötig, korrigieren wir den Klitorismantel, der sie umgibt.

Am bekanntesten ist die Korrektur der kleinen Schamlippen, die Labioplastik. Sie ist aber nur einer von fünf Bausteinen. Einen Überblick über alle Eingriffe finden Sie auf unserer Seite zur Intimchirurgie in Leipzig. Das ganze Gespräch können Sie sich hier ansehen:

Das vollständige Interview mit Dr. med. Marwan Nuwayhid (gut 20 Minuten) über Labioplastik, den Trend zur „Barbie Vagina“ und die Frage, was Frauen tatsächlich in die Sprechstunde führt.

„Bin ich normal?“ Nicht jede Vergrößerung muss behandelt werden

Die meisten Frauen, die mit dem Wunsch nach einer Schamlippenkorrektur zu uns kommen, haben vergrößerte kleine Schamlippen. Medizinisch spricht man von einer Hypertrophie. Viele Frauen haben eine solche Vergrößerung und kein Problem damit. Deshalb ist mir wichtig: Nicht jede vergrößerte Schamlippe muss korrigiert werden.

Wann eine Korrektur sinnvoll ist: wenn die Schamlippen optische oder körperliche Beschwerden verursachen und die Frau in ihrem Alltag belasten.

Leichtfertig kommt niemand zu uns. Der Leidensdruck muss schon groß sein, bevor eine Frau diesen Schritt geht. Und wenn sie sich optisch nicht wohlfühlt, ist das ein legitimer Grund. Auch abstehende Ohren werden korrigiert, obwohl man mit ihnen sehr gut hört.

Meist ist das Beschwerdebild gemischt. Die Schamlippen stören beim Sport, beim Fahrradfahren oder in enger Sportkleidung, manchmal schon in engen Jeans oder beim langen Sitzen. Dazu kommt das Gefühl, dass es optisch nicht stimmt. Beides geht Hand in Hand, mal überwiegt das eine, mal das andere.

Zu meiner Aufgabe gehört aber auch die Aufklärung. Wenn ich sehe, dass alles im normalen Bereich liegt, dann sage ich das auch. Das ist mehr als einmal vorgekommen, und oft fällt der Patientin in diesem Moment ein Stein vom Herzen. Viele Frauen haben schlicht keinen Vergleich und fragen sich lange, ob sie normal gebaut sind.

„Barbie Vagina“: Warum ich diesen Eingriff ablehne

Ich bin kein Freund solcher Begriffe und Moden, für mich sind sie Marketing. In der Sprechstunde verwende ich das Wort nicht, und bisher hat auch keine Patientin bei mir eine „Barbie Vagina“ verlangt. Trotzdem möchte ich erklären, was dahintersteckt, weil viele Frauen im Internet darauf stoßen.

Die Puppe Barbie hat im Genitalbereich keinerlei Merkmale, dort ist alles glatt. Genau dieses Bild ist das Ziel: eine völlig glatte Oberfläche, bei der sich selbst unter dem Bikini nichts abzeichnet. Dafür werden die kleinen Schamlippen vollständig entfernt. Das ist gegen die Natur, denn keine Frau ist im Genitalbereich glatt. Diesen Eingriff halten wir nicht für richtig, und wir führen ihn nicht durch.

„Eine glatte Vulva ist unnatürlich. Sie entspricht nicht meiner ästhetischen Vorstellung, und ich lehne sie kategorisch ab.“

Dr. med. Marwan Nuwayhid

Die kleinen Schamlippen haben eine Aufgabe

Die kleinen Schamlippen gibt es nicht ohne Grund. Sie verschließen den Scheideneingang. Fehlen sie, trocknet der Scheideneingang schnell aus. Ausgetrocknetes Gewebe ist geschwächt und anfälliger für Entzündungen und Infektionen.

Ich verstehe gut, wenn eine Frau sich kürzere kleine Schamlippen wünscht, da gehe ich sofort mit. Aber ein Rest muss bleiben, damit sie ihre Aufgabe erfüllen können.

Ein paradoxer Kreislauf

Damit sich wirklich nichts mehr abzeichnet, werden bei diesem Trend oft zusätzlich die großen Schamlippen mit Eigenfett oder Hyaluronsäure aufgefüllt, sodass von außen nur ein glatter Bogen zu sehen ist. Was danach passieren kann, läuft wie eine Kette ab:

  1. Die Hyaluronsäure baut sich mit der Zeit ab.
  2. Die großen Schamlippen schließen nicht mehr und weichen zur Seite.
  3. Kleine Schamlippen, die den Scheideneingang verschließen könnten, gibt es nicht mehr.
  4. Der Scheideneingang liegt offen, trocknet aus, und es kommt zu Entzündungen und Infektionen.

Diese Folgen werden häufig verharmlost, und viele Frauen wissen nichts davon.

„Immer wenn ich gegen die Natur arbeite, verliere nicht ich persönlich. Es verlieren meine Ergebnisse, und es leiden meine Patientinnen.“

Dr. med. Marwan Nuwayhid

Verändert sich das Empfinden nach einer Labioplastik?

Diese Frage höre ich oft, und sie ist berechtigt. Die Ärzteschaft ist hier gespalten: Es gibt eine sehr konservative Haltung, die jede Veränderung im Genitalbereich ablehnt, und eine offenere.

Richtig ist: Auch die kleinen Schamlippen tragen Nerven für die Sensibilität. Wenn wir ausreichend Gewebe erhalten, reicht das vollkommen aus. Eine größere Oberfläche der kleinen Schamlippen bedeutet nicht automatisch ein intensiveres Empfinden. Überschüssige Hautlappen sind durch die ständige Reibung zum Teil sogar schlechter durchblutet und schlechter mit Nerven versorgt. Entfernen wir diesen Überschuss und erhalten den gesunden Teil, bleibt die Empfindung erhalten.

Aus Hunderten von Labioplastiken kann ich sagen: Mit der Klage, ihr Empfinden habe nachgelassen, ist bisher keine Patientin zu mir zurückgekommen. Viele berichten eher das Gegenteil, und das hat viel mit Selbstvertrauen zu tun. Eine Frau, die sich vor ihrem Partner nicht nackt zeigen mag oder das Licht nicht einschalten lässt, ist selten entspannt. Fällt diese Anspannung weg, erleben viele Frauen Nähe anders.

Wichtig: Das ist meine Erfahrung, kein Versprechen. Jeder Fall ist anders.

Welche Risiken es gibt, und warum ich vorsichtig operiere

Wie bei jeder Operation kann es auch bei einer Labioplastik zu Komplikationen kommen. Kurz nach dem Eingriff sind das vor allem Blutungen, Entzündungen oder eine unangenehme Schwellung.

Langfristig ist das, was mir Patientinnen am häufigsten zurückmelden, etwas anderes: das Gefühl, die Schamlippen seien immer noch zu lang. Das hat einen Grund, denn ich bin bewusst ein vorsichtiger Operateur.

„Nachschneiden kann ich immer, aber wieder anheften geht nicht.“

Dr. med. Marwan Nuwayhid

Alles zu Ablauf, Nachsorge und Kosten des Eingriffs finden Sie auf unserer Seite zur Schamlippenkorrektur in Leipzig.

Schönheitsideale, und warum die Patientinnen jünger werden

Was als schön gilt, hängt stark von Kultur und Herkunft ab. Das sehe ich nicht nur in der Intimchirurgie. Bei Brustimplantaten etwa wird in manchen Kulturen ein betontes Dekolleté bevorzugt, und manche Ärzte setzen die Implantate gezielt so ein.

Im Intimbereich ist es ähnlich. In der westlichen Welt geht der Trend zu „so wenig wie möglich“, damit sich nichts abzeichnet. In anderen Ländern wünschen sich Frauen genau das Gegenteil, etwa betonte, gewölbte große Schamlippen. Ein allgemeingültiges Ideal gibt es nicht, und deshalb orientiere ich mich an der einzelnen Patientin und ihrer Anatomie.

Warum die Patientinnen jünger werden

Die Nachfrage nach Intimchirurgie ist in den Nullerjahren sprunghaft gestiegen, als die vollständige Intimrasur üblich wurde und Veränderungen im Intimbereich sichtbarer wurden. Es gab so viel zu tun, dass wir 2012 mit einigen Kollegen in Leipzig eine eigene Fachgesellschaft gegründet haben, die Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie Deutschland (GAERID).

Heute beobachte ich, dass die Patientinnen jünger werden. Viele Frauen, die heute 50 oder 60 Jahre alt sind, haben sich ihren Wunsch bereits in den Nuller- und Zehnerjahren erfüllt. Jetzt kommt eine neue Generation. Und je sicherer die Methoden und je erfahrener die Chirurgen werden, desto niedriger ist die Hemmschwelle, etwas korrigieren zu lassen.

Aufklärung statt Werbeversprechen

In Deutschland dürfen wir für Schönheitsoperationen nicht mit Vorher-Nachher-Bildern werben. Ich halte das für richtig. Solche Bilder suggerieren, dass jede Patientin ein ähnliches Ergebnis erwarten kann. Das können wir nicht garantieren, denn jeder Fall ist anders. Wir müssen sachlich informieren.

Gute Aufklärung dagegen finde ich wichtig. Manche stellen sich eine Labioplastik wie eine kurze Laserbehandlung vor. Tatsächlich ist sie ein chirurgischer Eingriff, und das sollte eine Patientin vorher wissen. Kommt sie gut informiert zu uns, können wir uns im Gespräch ganz auf ihre persönliche Situation konzentrieren.

Diese Erfahrung führen wir bei LANUWA heute in zwei Generationen fort: Meine Tochter, Dr. med. Rima Nuwayhid, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie, bietet eine Intimsprechstunde von Frau zu Frau an. Wenn Sie sich fragen, ob bei Ihnen alles normal ist oder ob eine Korrektur für Sie infrage kommt, vereinbaren Sie gern ein Erstgespräch.

Dr. med. Marwan Nuwayhid

Verfasst von

Dr. med. Marwan Nuwayhid

Facharzt für Gynäkologie & Experte der ästhetischen Chirurgie

Medizinisch geprüftZuletzt aktualisiert: Oktober 2026

Unterschrift Dr. med. Marwan Nuwayhid

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Mit dem Begriff ist ein Eingriff gemeint, bei dem die kleinen Schamlippen vollständig entfernt werden, damit der Intimbereich völlig glatt wirkt, wie bei einer Puppe. Oft werden zusätzlich die großen Schamlippen aufgefüllt. Wir lehnen diesen Eingriff ab und führen ihn nicht durch, weil er gegen die natürliche Anatomie arbeitet.

Die kleinen Schamlippen verschließen den Scheideneingang. Fehlen sie, trocknet der Scheideneingang aus, das Gewebe wird geschwächt und anfälliger für Entzündungen und Infektionen. Eine Verkleinerung ist möglich, aber ein Rest muss bleiben, damit die kleinen Schamlippen ihre Aufgabe erfüllen können.

Wenn ausreichend gesundes Gewebe erhalten bleibt, bleibt auch die Empfindung erhalten. Überschüssige Hautlappen sind durch Reibung oft sogar schlechter durchblutet und mit Nerven versorgt. Nach der Erfahrung von Dr. Marwan Nuwayhid aus Hunderten von Eingriffen berichten viele Frauen eher von einem entspannteren Körpergefühl. Ein Versprechen ist das nicht, denn jeder Fall ist anders.

Kurz nach dem Eingriff können Blutungen, Entzündungen oder Schwellungen auftreten. Langfristig ist die häufigste Rückmeldung, dass die Schamlippen noch zu lang erscheinen, weil bewusst vorsichtig operiert wird: Nachkorrigieren ist möglich, zu viel entferntes Gewebe lässt sich dagegen nicht ersetzen.

In Deutschland ist die Werbung mit Vorher-Nachher-Bildern für Schönheitsoperationen verboten. Das ist richtig, denn solche Bilder suggerieren ein Ergebnis, das niemand garantieren kann. Jeder Fall ist anders. Stattdessen setzen wir auf sachliche Aufklärung und ein persönliches Beratungsgespräch.

Beratungsgespräch in der LANUWA Aesthetik Klinik

Sie möchten mehr über eine
Behandlung erfahren?

Gerne sind wir jederzeit für Sie da!

Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen? Schreiben Sie uns – wir melden uns zeitnah bei Ihnen. Oder buchen Sie direkt einen Beratungstermin.

1
2
3
InteresseKontaktAbsenden

Schritt 1 von 3

Was interessiert Sie?