Was die Studien direkt zur Fettabsaugung zeigen
Zur manuellen Lymphdrainage (MLD) speziell nach einer Fettabsaugung gibt es im Grunde nur zwei Arbeiten, und beide sind methodisch nicht optimal.
Die eine wird praktisch überall zitiert.[1] Achtzehn Frauen erhielten nach einer Fettabsaugung oder einer Lipoabdominoplastik zwölf Behandlungen, und Schmerz, Schwellung und Gewebeverhärtung gingen deutlich zurück. Klingt überzeugend, hat aber drei Haken. Es gab keine Vergleichsgruppe, das heißt, niemand weiß, wie es den Frauen ohne Behandlung ergangen wäre, und eine Schwellung bildet sich in dieser Phase ohnehin zurück. Die Behandlung war zudem eine Kombination aus Ultraschall und Lymphdrainage, sodass sich der Anteil der Drainage allein gar nicht bestimmen lässt. Und die Autoren räumen selbst ein, dass zwei Drittel der Teilnehmerinnen währenddessen Kompression trugen, was die Rückbildung der Verhärtung beeinflusst haben dürfte.
Die zweite Arbeit ist die einzige, die überhaupt zwei Gruppen vergleicht.[2] Zwanzig Frauen nach einer Bauchdeckenstraffung mit Fettabsaugung, alle mit Kompression, eine Gruppe erhielt zusätzlich Lymphdrainage. Auch hier: sehr wenige Teilnehmerinnen, und die Zuteilung erfolgte nicht zufällig, sondern nach Klinikstandort. Damit unterscheiden sich die Gruppen möglicherweise nicht nur in der Behandlung, sondern auch in allem anderen, was an den beiden Orten anders lief.
Große Studien zu MLD bei anderen Krankheitsbildern
Wenn die Datenlage im eigenen Fachgebiet dünn ist, lohnt der Blick auf Bereiche, in denen dieselbe Methode unter strengen Bedingungen untersucht wurde. Und dort ergibt sich ein bemerkenswert einheitliches Bild.
Beim Lymphödem des Arms nach einer Brustkrebsbehandlung, also bei einem echten, ausgeprägten Abflussproblem, hat man die Lymphdrainage in einer multizentrischen, randomisierten Studie geprüft.[3] Alle Patientinnen erhielten die übliche Entstauungstherapie, ein Teil zusätzlich die manuelle Lymphdrainage. Das Ergebnis: kein Unterschied. Die Schwellung ging in beiden Gruppen gleichermaßen zurück. Eine ehrliche Einschränkung gehört dazu, denn die Studie erreichte ihre geplante Teilnehmerzahl nicht. Das Vertrauensintervall war jedoch eng genug, um die Gleichwertigkeit zu belegen, und das Ergebnis blieb auch bei anderen Auswertungsverfahren stabil. Es handelt sich also nicht um einen Fall von zu wenigen Daten, um überhaupt etwas zu sehen.
Ein ähnliches Bild nach Knieprothesenoperationen, wo ebenfalls ausgeprägte Schwellungen auftreten. Eine Zusammenfassung aller hochwertigen randomisierten Studien kommt zu dem Schluss, dass die derzeitige Evidenz den Einsatz der Lymphdrainage dort nicht stützt.[4] Weder bei Schmerz noch bei Beweglichkeit oder beim Umfang des Beins zeigte sich ein Unterschied.
Wir sehen also in kleinen, unkontrollierten Untersuchungen günstige Ergebnisse, die sich in größeren Studien aber nicht belegen lassen.
Was ich selbst in meiner Sprechstunde beobachte
An dieser Stelle möchte ich meine persönliche klinische Beobachtung mit Ihnen teilen. Es ist nur eine Einschätzung, ohne wissenschaftlichen Beweis, und ich halte beides gern auseinander.
Meiner Erfahrung nach kann die Lymphdrainage den Rückgang der Schwellung in der Anfangszeit durchaus leicht beschleunigen. Das ist für die betroffene Patientin in diesen ersten Wochen angenehm und nicht wertlos. Was ich allerdings ebenso beobachte: Patientinnen ohne vorbestehende Abflussstörung sehen ein Jahr nach der Operation und mit MLD nicht besser aus als jene, die keine Lymphdrainage hatten. Das Endergebnis, auf das es Ihnen ja eigentlich ankommt, wird dadurch also nicht besser. Es stellt sich unter Umständen nur ein wenig früher ein.
Wann sie durchaus sinnvoll sein kann
Und jetzt kommt der differenzierte Gegenpol, denn eine pauschale Ablehnung wäre genauso falsch wie eine pauschale Empfehlung.
Lymphdrainage ist sicher und gut verträglich.[5] Sie hat praktisch kein Schadenspotenzial, und die meisten Patientinnen empfinden sie schlicht als angenehm. Das allein ist schon ein legitimer Grund, sie zu machen, wenn sie Ihnen guttut.
In die Entscheidung für oder gegen eine Lymphdrainage nach Liposuktion sollten Sie unbedingt mit einbeziehen, welchen Zustand Ihr Gewebe vor der Operation hatte: Wenn Sie schon vor der Operation zu schweren Beinen am Abend geneigt haben, wenn bei Ihnen eine Venenschwäche bekannt ist oder wenn Sie im Rahmen einer Lipödem-Therapie bereits gemerkt haben, dass Ihnen die Lymphdrainage guttut, dann führen Sie sie fort. Bei Ihnen liegt eine andere Ausgangslage vor als bei einer Patientin mit völlig intaktem Abflusssystem.
Die umfassendste Auswertung zum Thema kommt zu dem Schluss, dass die Lymphdrainage zusätzlichen Nutzen bringen kann, wenn sie zur Kompression hinzukommt, und dass davon offenbar besonders diejenigen profitieren, deren Ödem leicht bis mittelgradig ausgeprägt ist.[5] Wo also tatsächlich etwas zu entstauen ist, kann sie etwas bewirken. Wo das Abflusssystem gesund ist, tut sie sich schwerer, einen messbaren Beitrag zu leisten.
Ebenfalls zu bedenken: Der Kostenpunkt
Bei einer ästhetischen Fettabsaugung und anderen Privatleistungen kommt ein weiterer Aspekt hinzu, den man bedenken sollte: Auch die Lymphdrainage muss dann selbst bezahlt werden, denn ohne eine medizinische Notwendigkeit übernimmt die Krankenkasse sie nicht. Je nach Dauer und Praxis kostet eine Sitzung etwa zwischen 40 und 90 Euro. Über eine ganze Serie hinweg summiert sich das auf einen dreistelligen Betrag.
Was tatsächlich hilft
Was ich Ihnen aber unbedingt empfehle: konsequente Kompression und eine frühe Mobilisation. Genau diese beiden Maßnahmen liefen in den Studien zur Fettabsaugung im Hintergrund immer mit, und sie sind der eigentliche Anker Ihrer Heilung. Wie das bei Ihnen konkret aussieht, besprechen wir individuell, denn das hängt vom Eingriff und von Ihnen ab.
Wenn Sie eine Fettabsaugung planen und Ihre Nachbehandlung vorab klären möchten, vereinbaren Sie gern ein Erstgespräch. Ablauf, Methoden und Nachsorge finden Sie auf unserer Seite zur Fettabsaugung in Leipzig.
Literatur
- [1]Masson IF, de Oliveira BD, Machado AF, Farcic TS, Estevez Júnior I, Baldan CS. Manual lymphatic drainage and therapeutic ultrasound in liposuction and lipoabdominoplasty post-operative period. Indian J Plast Surg. 2014;47(1):70-76.
- [2]Maningas T, Sturm L, Mangler A, Pazdernik VK. Manual Lymphatic Drainage in Postoperative Abdominoplasty With Core Liposuction Patients. Am J Cosmet Surg. 2020;37(1):45-49.
- [3]Tambour M, Holt M, Speyer A, Christensen R, Gram B. Manual lymphatic drainage adds no further volume reduction to Complete Decongestive Therapy on breast cancer-related lymphoedema: a multicentre, randomised, single-blind trial. Br J Cancer. 2018;119(10):1215-1222.
- [4]Migliorini F, Schäfer L, Bertini FA, Memminger MK, Simeone F, Giorgino R, Maffulli N. Level I of evidence does not support manual lymphatic drainage for total knee arthroplasty: a meta-analysis. Sci Rep. 2023;13:22024.
- [5]Ezzo J, Manheimer E, McNeely ML, Howell DM, Weiss R, Johansson KI, et al. Manual lymphatic drainage for lymphedema following breast cancer treatment. Cochrane Database Syst Rev. 2015;(5):CD003475.





