Kapselfibrose nach einer Brustvergrößerung

Dr. med. Marwan Nuwayhid11. November 20228 min Lesezeit
Brust

Die Brustvergrößerung gehört zu den beliebtesten Schönheitsoperationen, die in Deutschland durchgeführt werden. Kapselfibrose ist eine mögliche Komplikation nach einer Brustvergrößerung, die in 2-8% aller Fälle auftritt. Wir klären auf, was eine Kapselfibrose in der Brust ist, wie sie entsteht, welche Stadien es gibt und was man tun kann, um das Risiko zu mindern.

Auf dieser Seite

Was ist eine Kapselfibrose?

Eines der häufigsten Risiken bei einer Brustvergrößerung ist die Kapselfibrose. Da das Implantat vom Körper ganz natürlich als Fremdkörper wahrgenommen wird, bildet sich um dieses als natürliche physiologische Reaktion eine dünne Bindegewebsschicht. Die Kapsel ist in diesem Fall zart, dehnbar und weniger als einen Millimeter dick.

Die krankhafte Reaktion

Bei einer Kapselfibrose findet diese Reaktion jedoch übermäßig statt. Es kommt zu einer krankhaften Vermehrung des Bindegewebes. Dabei wird die Gewebskapsel auf einige Millimeter verdickt. Sie zieht sich immer enger um das Implantat. Die Brustimplantate erfahren so eine Verkapselung, die im Verlauf zu einer Verhärtung der Brust führt.

Eine erhebliche Deformierung der Brust als auch des Implantates sind die Folge. Je nach Schweregrad und Fortschritt der Kapselfibrose hat die Patientin Schmerzen.

Wo kann überall eine Kapselfibrose auftreten?

Eine Kapselfibrose kann überall dort entstehen, wo Fremdkörper unter die Haut gebracht werden. Neben den Brustvergrößerungen werden Po-Implantate und Wadenimplantate gern in der ästhetischen Chirurgie genutzt.

Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Häufigkeit einer Kapselfibrose in diesen Bereichen im Vergleich zur Brust sehr viel geringer ist.

Wie häufig ist eine Kapselfibrose?

Die Kapselfibrose in der Brust ist die am meisten ernstzunehmende Komplikation nach einer Brustoperation. Die Häufigkeit beträgt:

  • 15% nach 6 Jahren
  • 25% nach 10 Jahren

Andere Beobachtungsstudien geben teilweise höhere Raten an.

Wodurch entsteht eine Kapselfibrose?

Die Entstehung einer Kapselfibrose ist multifaktoriell, jedoch sind wir davon überzeugt, dass eine Kontamination des Gewebes mit Bakterien, des Typs Staphylococcus epidermidis, die häufigste Ursache ist.

Chirurgische Faktoren

  • Ein hohes Trauma des Gewebes beim Präparieren der Tasche für das Brustimplantat
  • Eine zu enge Tasche für ein zu großes Implantat
  • Blutungen während der OP
  • Bakterielle Infektionen der Tasche oder des Implantates unter Bildung eines sogenannten Biofilms
  • Der Zugang über den Brustwarzenvorhof
  • Die Lage des Implantates auf dem Muskel
  • Studien zeigten, dass die Rate der Kapselfibrosefälle unter Verwendung von texturierten Brustimplantaten erheblich geringer ist als unter Verwendung von glatten Implantaten

Postoperative Faktoren

  • Entzündungen oder Infektionen nach der Brust-OP
  • Nachblutungen unter Hämatombildung
  • Bestrahlungen können zur Entstehung einer Kapselfibrose beitragen
  • Unfälle, starker Druck (Physiotherapie oder Massagen), die eine Entzündungsreaktion in der Brust auslösen
Implantat vor und hinter dem Brustmuskel

Symptome einer Kapselfibrose erkennen

Die Anzeichen einer Kapselfibrose in der Brust treten häufig erst Jahre nach einer Operation auf. Es dauert mehrere Wochen bis Monate, bis die Heilung der Brustvergrößerung komplett abgeschlossen ist. In dieser Zeit kann es zu Schmerzen und Spannungen in der Brust kommen, die jedoch keine Symptome für eine Kapselfibrose sind.

Typische Symptome

Folgende Symptome können auf eine Kapselfibrose nach einer Brustvergrößerung hindeuten:

  • Die meisten Betroffenen haben 2 Jahre nach der OP Schmerzen und können eine Verhärtung feststellen
  • Es kommt zur Verformung der Brust oder des Implantates, die von außen sichtbar ist
  • Dies geht häufig mit einem Spannungsgefühl und Schmerzen einher
  • Im starken und ausgeprägten Stadium lässt sich die Kapselfibrose auch ertasten

Welche Stadien einer Kapselfibrose gibt es?

In Abhängigkeit von der Ausprägung der Kapsel kann die Kapselfibrose in 4 Stadien nach Baker eingeteilt werden:

  • Grad 1 – normaler Zustand: beschreibt eine weiche Kapsel, die das Implantat umgibt. Es sind keine tastbaren Veränderungen feststellbar und nur im Ultraschall ist eventuell eine leichte Verdickung zu erkennen.
  • Grad 2 – leichte Kapselfibrose: Das Bindegewebe ist leicht verhärtet und es treten leichte Spannungsgefühle auf.
  • Grad 3 – starke Kapselfibrose: zeichnet sich durch eine mäßige Verhärtung des Bindegewebes aus, zudem ist bereits eine leichte Verformung der Implantate feststellbar und auch sichtbar.
  • Grad 4 – ausgeprägte Kapselfibrose: Das Brustimplantat ist geschrumpft, es sind offensichtliche Verformungen der Brust zu beobachten und die Brust schmerzt. Ein Wechsel des Brustimplantates ist eventuell erforderlich.
Grad Baker Kriterien Wilfingseder Kriterien
I Implantat nicht palpabel, Implantatkonturen nicht sichtbar dünne, nicht kontrakte Kapsel
II Implantat leicht verhärtet, Implantatkonturen nicht sichtbar „konstriktive" Fibrose, keine Fremdkörperriesenzellen
III Implantat eindeutig verhärtet, Implantatkonturen sichtbar „konstriktive" Fibrose, Fremdkörperriesenzellen vorhanden
IV Implantat stark verhärtet, Implantatdislokation und Deformierung der Brust Entzündungszellen, Fremdkörpergranulome, Neo-Vaskularisation, Neurome möglich

Baker- und Wilfingseder-Grade der Kapselfibrose

Kann man eine Kapselfibrose vermeiden?

Um eine Kapselfibrose möglichst zu vermeiden und das Risiko zu verringern, führen wir in der LANUWA Aesthetik Klinik folgende Maßnahmen durch:

  1. Wir desinfizieren den gesamten Oberkörper vor der Operation mehrmals mit Hautdesinfektionsmittel
  2. Wir bedecken die Brustwarzen mit einem sogenannten „Nipple-Shield", um kontaminierende Sekrete zu vermeiden
  3. Während der Operation wechselt der Operateur mehrmals seine Handschuhe
  4. Vor dem Einlegen des Implantates werden die Wundränder erneut desinfiziert
  5. Wir verwenden einen Keller Funnel, um möglichst wenig mit dem Implantat in Berührung zu kommen
  6. Wir setzen nur texturierte Implantate von höchster Qualität der Firma Polytech ein
  7. Beim Operieren gehen wir sehr schonend und unter strenger Blutstillung mit dem Brustgewebe um
  8. Nach der Präparation ist das Wundbett komplett trocken – wir können auf eine Drainage verzichten

Behandlung einer Kapselfibrose

Wird bei einer Patientin eine Kapselfibrose festgestellt, wird in den meisten Fällen zuerst ein Antibiotikum und Glukokortikoide gegen die Entzündung und übermäßige Immunreaktion verabreicht.

Operative Behandlung

Unter Umständen ist eine anschließende OP nötig, bei der die Kapsel geöffnet und entfernt wird. Bei den Graden III und IV, die mit einer starken Verhärtung, Verformung der Brust und Schmerzen einhergehen, ist dies der Fall.

Je nach Schweregrad und Ausprägung der Kapsel ist dabei ein Implantatwechsel notwendig.

Wenn Sie weitere Fragen zum Thema der Kapselfibrose haben, vereinbaren Sie einen Termin bei Dr. Nuwayhid.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Eine Kapselfibrose ist eine übermäßige Bildung von Bindegewebe um ein Brustimplantat. Diese krankhafte Reaktion führt zu einer Verdickung und Verhärtung der Kapsel, was zu Schmerzen und Verformungen der Brust führen kann.

Die Häufigkeit einer Kapselfibrose beträgt etwa 15% nach 6 Jahren und 25% nach 10 Jahren. Bei sorgfältiger Operationstechnik und Hygiene kann das Risiko jedoch deutlich reduziert werden.

Die Anzeichen einer Kapselfibrose treten häufig erst Jahre nach der Operation auf. Die meisten Betroffenen bemerken etwa 2 Jahre nach der OP erste Symptome wie Verhärtung, Spannungsgefühle oder Schmerzen.

Nach der Baker-Klassifikation gibt es 4 Grade: Grad 1 (weiche Kapsel), Grad 2 (leichte Verhärtung), Grad 3 (mäßige Verhärtung mit sichtbarer Verformung) und Grad 4 (starke Verhärtung mit Schmerzen und Deformierung).

Vorbeugende Maßnahmen umfassen strenge Hygiene während der OP, Verwendung eines Keller Funnels, texturierte Implantate hoher Qualität, schonende Operationstechnik und Verzicht auf Drainagen durch vollständige Blutstillung.

Zunächst werden Antibiotika und Glukokortikoide verabreicht. Bei Grad III und IV ist meist eine Operation erforderlich, bei der die Kapsel entfernt und gegebenenfalls das Implantat gewechselt wird.

Dr. med. Marwan Nuwayhid
Dr. med. Rima Nuwayhid
Geprüft durch LANUWA

Dr. med. M. & R. Nuwayhid

Die Informationen auf der Seite "Kapselfibrose nach einer Brustvergrößerung" beruhen auf aktuellen medizinischen Standards und wurden durch Dr. med. Marwan Nuwayhid und Dr. med. Rima Nuwayhid vor der Veröffentlichung geprüft.

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