Muss eine Kapselfibrose immer operiert werden?

Dr. med. Rima Nuwayhid19. September 20265 min Lesezeit
Brust

Wenn Sie an Ihrer Brust eine zunehmende Verhärtung bemerken und dann im Internet nachlesen, entsteht schnell der Eindruck, dass eine Kapselfibrose immer operiert werden muss. Das möchte ich im folgenden Artikel einordnen. Nicht jede Kapselfibrose muss operiert werden. Maßgeblich dafür, ob wir operieren oder nicht, sind allein Ihre Beschwerden und nicht der Befund an sich oder ein Grad auf einer Skala.

Auf dieser Seite

Wenn Sie keine oder nur milde Beschwerden haben

Wie eine Kapselfibrose überhaupt entsteht, warum sich die Kapsel um das Implantat zusammenzieht und welche Rolle Bakterien dabei spielen, habe ich Ihnen bereits in einem eigenen Beitrag über die Entstehung der Kapselfibrose erklärt. Hier geht es um die Frage, was daraus für Sie folgt.

Fühlt sich Ihre Brust nur etwas fester an als früher, sieht dabei aber unverändert aus und stört Sie nicht, dann gibt es schlicht keinen Grund, Sie zu operieren. Wir beobachten die Situation und greifen ein, wenn es für Sie störend wird.

Das deckt sich mit dem, was die Fachliteratur beschreibt. Ein operativer Eingriff wird durchgängig erst dann als erforderlich angesehen, wenn die Verhärtung deutlich tastbar und die Form der Brust sichtbar verändert ist oder Schmerzen bestehen.[1] Für leichtere Formen gilt das ausdrücklich nicht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick auf medikamentöse Ansätze, die für dieses Anwendungsgebiet erprobt wurden. Dabei zeigt sich folgendes Muster: Bei leichten Formen ließen sich damit Beschwerden häufig bessern. Bei ausgeprägten Befunden dagegen war der Effekt begrenzt, und nahezu alle Betroffenen benötigten am Ende doch eine Operation.[2] Die Studienlage dazu ist aber insgesamt schwach und die Anwendung erfolgt außerhalb der eigentlichen Zulassung des Medikaments. Das bestätigt unsere Schlussfolgerung: Leichte und ausgeprägte Kapselfibrosen sind zwei verschiedene Situationen und verlangen unterschiedliche Antworten.

Dazu kommt ein Argument, das mir wichtig ist. Eine Kapseloperation ist kein kleiner Eingriff. Eine Auswertung von 7.486 Patientinnen zeigt, dass insbesondere die vollständige Entfernung der Kapsel mit einem messbar erhöhten Risiko für Komplikationen einhergeht.[3] Einen solchen Eingriff bei einer Frau durchzuführen, die gar nicht leidet, wäre also nicht in ihrem Interesse.

Wann Sie sich beraten lassen sollten

Zwei Situationen sprechen dafür, das Thema mit einer Fachärztin zu besprechen.

Die erste sind Schmerzen. Ein Spannungsgefühl, Druckempfindlichkeit oder echte Schmerzen sind ein klares Signal, dem wir nachgehen sollten.

Die zweite ist, dass Sie mit dem Aussehen Ihrer Brust unzufrieden sind. Wenn die Brust höher steht, runder wirkt, sich verformt hat oder einfach nicht mehr aussieht wie früher, dann ist das ein genauso legitimer Grund wie Schmerz. Ich sage das bewusst so deutlich, weil viele Frauen an dieser Stelle zögern. Sie haben das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, wenn sie nur wegen der Optik kommen. Das müssen Sie nicht. Sie haben sich damals für diese Brust entschieden, und wenn Ihnen das Ergebnis inzwischen nicht mehr gefällt, ist das Grund genug, darüber zu sprechen.

Eine wichtige Ausnahme: wenn eine Brust plötzlich voller wird

Von allem, was ich bisher geschrieben habe, gibt es eine wichtige Ausnahme: Wenn eine Ihrer Brüste plötzlich deutlich voller wird als die andere, stellen Sie sich bitte ärztlich vor. Auch dann, wenn Sie dabei überhaupt keine Beschwerden haben. Hier gilt die Regel ohne Beschwerden kein Handlungsbedarf ausdrücklich nicht.

Der Grund ist eine seltene Erkrankung, das sogenannte BIA-ALCL, eine mit Brustimplantaten in Verbindung stehende Form eines Lymphoms. Sie zeigt sich am häufigsten genau so: als späte, einseitige Flüssigkeitsansammlung um das Implantat, die zu einer plötzlichen Schwellung und Asymmetrie der Brust führt.[4] In einem solchen Fall müssen wir abklären, ob das dahintersteckt.

Bitte lassen Sie sich davon nicht beunruhigen. Diese Erkrankung ist wirklich selten, die zuletzt berichtete Häufigkeit lag bei etwa 3,5 Fällen pro 100.000 Frauen mit Implantaten.[4] In den allermeisten Fällen steckt etwas Harmloses hinter einer solchen Schwellung. Entscheidend ist aber, dass wir es überprüfen, denn wenn ein BIA-ALCL früh erkannt wird, ist die Prognose gut.

Genau deshalb möchte ich, dass Sie dieses eine Zeichen kennen: Eine Brust, die plötzlich deutlich voller wird als die andere, gehört angeschaut. Der erste Schritt ist dabei unkompliziert, in aller Regel eine Ultraschalluntersuchung.

Was in der Beratung passiert

Zum Gespräch gehört zunächst die Untersuchung, häufig ergänzt durch eine Ultraschalluntersuchung. Danach ordne ich Ihren Befund ein, und dann besprechen wir gemeinsam, ob ein Eingriff für Sie sinnvoll ist oder ob wir zunächst beobachten.

Es gibt für die Behandlung der Kapselfibrose keinen starren Algorithmus, den man einfach abarbeiten könnte. Eine systematische Übersicht von 2024 hält ausdrücklich fest, dass es bislang zu wenig wissenschaftliche Studien zu diesem Thema gibt, um daraus evidenzbasierte Behandlungsleitlinien abzuleiten.[5] Das klingt zunächst unbefriedigend, bedeutet aber vor allem eines: Die Entscheidung muss individuell fallen, gemeinsam, und sie muss von Ihren Beschwerden ausgehen und nicht von einem Schema.

Und wenn ich zu der Überzeugung komme, dass ein Eingriff Ihnen derzeit nicht den erhofften Nutzen bringt, sage ich Ihnen das genauso offen, wie ich Ihnen zu einer Operation raten würde, wenn sie angezeigt ist.

Wenn eine Operation der richtige Weg ist

Sollten wir gemeinsam zu dem Schluss kommen, dass ein Eingriff sinnvoll ist, gibt es dafür gute und bewährte Verfahren. Was dabei mit der Kapsel geschieht, warum ich Ihnen zum Wechsel des Implantats rate und welche Möglichkeiten Sie darüber hinaus haben, lesen Sie ausführlich in meinem Beitrag über die Operation bei Kapselfibrose, der in Kürze hier erscheint.

Wenn Sie bei sich eine Veränderung bemerken oder unsicher sind, ob Ihre Beschwerden eine Behandlung rechtfertigen, vereinbaren Sie gern einen Termin. Mehr zu Implantaten, Methoden und Ablauf finden Sie auf unserer Seite zur Brustvergrößerung in Leipzig.

Literatur

  1. [1]Safran T, Nepon H, Chu CK, et al. Current Concepts in Capsular Contracture: Pathophysiology, Prevention, and Management. Semin Plast Surg. 2021;35(3):189-197.
  2. [2]Prosenz C, Aschauer J, Thürlimann A, Oranges CM, Kalbermatten D, Montemurro P, Tremp M. The Role of Montelukast in the Prevention and Treatment of Capsular Contracture (Baker Grade III-IV): A Systematic Review and Case Analysis. Aesthetic Plast Surg. 2026;50(11):3907-3915.
  3. [3]Xu HH, Abi-Rafeh J, Davison P, Winocour S, Matros E, Vorstenbosch J. Complications of Aesthetic and Reconstructive Breast Implant Capsulectomy: An Analysis of 7486 Patients Using Nationwide Outcomes Data. Aesthet Surg J. 2024;44(9):936-945.
  4. [4]Longo B, Di Napoli A, Curigliano G, Veronesi P, Pileri S, Martelli M, et al. Clinical recommendations for diagnosis and treatment according to current updated knowledge on BIA-ALCL. Breast. 2022;66:332-341.
  5. [5]Boyd CJ, Chiodo MV, Lisiecki JL, Wagner RD, Rohrich RJ. Systematic Review of Capsular Contracture Management following Breast Augmentation: An Update. Plast Reconstr Surg. 2024;153(2):303e-321e.
Dr. med. Rima Nuwayhid

Verfasst von

Dr. med. Rima Nuwayhid

Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Medizinisch geprüftZuletzt aktualisiert: September 2026

Unterschrift Dr. med. Rima Nuwayhid

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Nein. Ohne Beschwerden und ohne störende Formveränderung gibt es keinen Grund für einen Eingriff. Wir beobachten dann.

Nicht zwangsläufig. Eine Kapselfibrose kann über Jahre unverändert bleiben. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig, damit wir eine Veränderung rechtzeitig bemerken und reagieren können.

Ja. Unzufriedenheit mit dem Aussehen ist ein genauso legitimer Grund wie Schmerz. Sie müssen sich dafür nicht rechtfertigen.

Es wurden medikamentöse Ansätze erprobt. Die Datenlage dazu ist schwach, und bei ausgeprägten Befunden war der Effekt begrenzt, sodass die meisten Betroffenen am Ende doch operiert wurden. Was in Ihrem Fall infrage kommt, besprechen wir persönlich.

Eine bereits ausgeprägte Verhärtung bildet sich in aller Regel nicht von allein zurück. Umso wichtiger ist es, Veränderungen früh zu bemerken.

Das sollten Sie ärztlich abklären lassen, auch ohne Beschwerden. Meist steckt etwas Harmloses dahinter, wir müssen aber eine seltene Erkrankung ausschließen, das BIA-ALCL, das sich typischerweise genau so zeigt. Früh erkannt ist die Prognose gut. Der erste Schritt ist in der Regel eine Ultraschalluntersuchung.

Die verlässlichste Antwort darauf sind Ihre eigenen Beschwerden. Wenn die Brust schmerzt oder Ihnen nicht mehr gefällt, lassen Sie sich beraten. Alles Weitere klären wir gemeinsam.

Beratungsgespräch in der LANUWA Aesthetik Klinik

Sie möchten mehr über eine
Behandlung erfahren?

Gerne sind wir jederzeit für Sie da!

Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen? Schreiben Sie uns – wir melden uns zeitnah bei Ihnen. Oder buchen Sie direkt einen Beratungstermin.

1
2
3
InteresseKontaktAbsenden

Schritt 1 von 3

Was interessiert Sie?