Was ist eine Kapselfibrose?
Um jedes Implantat bildet Ihr Körper ganz von selbst eine dünne Hülle aus Bindegewebe, die sogenannte Kapsel. Das ist zunächst ein völlig normaler und sogar erwünschter Vorgang, der das Implantat an seinem Platz hält. Diese Kapsel ist zart, dehnbar und dünner als ein Millimeter.
Bei manchen Frauen zieht sich diese Kapsel jedoch mit der Zeit zusammen und verdickt sich. Sie presst das Implantat ein, die Brust wird fester, kann sich verformen und in ausgeprägten Fällen auch schmerzen. Wie stark das ausgeprägt ist, beschreiben wir mit der Baker-Klassifikation.
Entstehen kann eine solche Verhärtung überall dort, wo ein Fremdkörper unter die Haut gebracht wird, also etwa auch bei Po- oder Wadenimplantaten. In der Brust tritt sie allerdings deutlich häufiger auf als an anderen Stellen — sie ist hier die ernstzunehmendste Komplikation nach einer Brustvergrößerung in Leipzig.
Die Baker-Klassifikation im Überblick
Um das Ausmaß einer Kapselfibrose einzuordnen, verwenden wir seit Jahrzehnten eine Einteilung in vier Grade:
- Grad I: Die Brust fühlt sich weich an und sieht natürlich aus.
- Grad II: Die Kapsel ist leicht zu tasten, die Brust sieht aber unverändert aus.
- Grad III: Die Verhärtung ist deutlich tastbar, und die Form verändert sich sichtbar.
- Grad IV: Die Brust ist hart, oft druckempfindlich oder schmerzhaft und deutlich verformt.
Woran Sie eine Kapselfibrose bemerken
Wichtig zur Einordnung: In den ersten Wochen und Monaten nach einer Brustvergrößerung sind ein Spannungsgefühl und gelegentliche Schmerzen normal — die Heilung braucht ihre Zeit. Das sind noch keine Anzeichen einer Kapselfibrose.
Die eigentlichen Anzeichen entwickeln sich meist später, oft erst Jahre nach dem Eingriff. Achten Sie auf diese Veränderungen:
- Die Brust fühlt sich zunehmend fester an als in den Monaten zuvor
- Die Form verändert sich sichtbar, das Implantat tritt höher oder zeichnet sich stärker ab
- Ein Spannungsgefühl kommt hinzu, teils mit Druckempfindlichkeit oder Schmerzen
- In ausgeprägten Fällen lässt sich die verhärtete Kapsel ertasten
Eine Kapselfibrose kann sich schon in den ersten Monaten nach der Operation entwickeln — ebenso aber erst nach fünf oder zehn Jahren. Genau deshalb sind die regelmäßigen Nachsorgetermine keine Formsache. Wenn Ihnen eine solche Veränderung auffällt, lassen Sie sie bitte frühzeitig abklären.
Was löst eine Kapselfibrose aus?
Wie bei so vielen anderen Prozessen im Körper sind mehrere Faktoren an der Entstehung beteiligt, und die Mechanismen sind noch nicht restlos geklärt.[1][2]
Die derzeit führende Erklärung ist die sogenannte Biofilm-Theorie: Demnach gelangen während der Operation kleinste Mengen ganz normaler Hautbakterien auf die Oberfläche des Implantats. Dort können sie einen hauchdünnen Film bilden, den Biofilm, der dann im Körper eine dauerhafte, unterschwellige Entzündung unterhält. Diese stille Entzündung reizt das umliegende Gewebe über Jahre und kann so die überschießende Verhärtung der Kapsel anstoßen.
Im Tiermodell ließ sich zeigen, dass eine solche unterschwellige Infektion tatsächlich eine Kapselfibrose auslösen kann.[3] Und auf entfernten, verhärteten Kapseln werden am häufigsten genau solche typischen Hautkeime nachgewiesen, allen voran Staphylococcus epidermidis.[4]
Daneben gibt es weitere Umstände, die das Risiko erhöhen: ein Nachbluten oder ein Bluterguss in der Implantattasche, eine Wundinfektion, eine vorausgegangene Bestrahlung sowie eine bereits früher durchgemachte Kapselfibrose.[2] Auch Eigenschaften des Implantats selbst spielen eine Rolle. Aber nicht jede Studie findet dieselben Zusammenhänge, und die Forschung ist an diesem Punkt noch nicht abgeschlossen.

Was ich als Ihre Operateurin tun kann, um das Risiko zu senken
Wenn die unterschwellige bakterielle Besiedlung eine so zentrale Rolle spielt, ergibt sich daraus ein klarer Auftrag an uns als Operateure: Bei der Operation muss alles darangesetzt werden, dass so wenige Bakterien wie möglich an das Implantat gelangen. Genau darauf zielt ein international etabliertes Bündel an Maßnahmen ab, der sogenannte 14-Punkte-Plan.[5] Dessen Umsetzung ist Standard bei allen Implantatvergrößerungen in der LANUWA Aesthetik Klinik.
Dazu zählt beispielsweise, dass Sie gleich zu Beginn der Operation ein Antibiotikum über die Vene erhalten. Für das Einbringen des Implantates wählen wir den Zugang über die Unterbrustfalte — anders als beim Zugang um den Brustwarzenvorhof vermeiden wir es so, durch die von Natur aus bakterienbesiedelten Milchgänge zu gehen. Die Brustwarzen schützen wir während des Eingriffs mit einem sogenannten Nipple-Shield.
Wir arbeiten bewusst gewebeschonend und legen großen Wert auf eine penible Blutstillung, um einen Bluterguss zu vermeiden. Die Implantattasche wird sorgfältig präpariert und mit einer antiseptischen Lösung gespült. Und das Implantat selbst bringe ich berührungsfrei über einen Einführtrichter ein, sodass es auf seinem Weg in den Körper mit so wenig wie möglich in Berührung kommt.
Was Sie selbst beitragen können
Auch Sie können etwas beitragen. Verzichten Sie rund um die Operation auf Nikotin, das die Wundheilung stört. Nehmen Sie Ihre Nachsorgetermine wahr, und melden Sie sich frühzeitig, wenn Ihnen eine zunehmende Verhärtung oder eine Veränderung der Form auffällt.
Und schließlich ist die Wahl einer erfahrenen Operateurin, die diese Standards verlässlich einhält, selbst schon ein wichtiger Beitrag zu Ihrer Sicherheit.
Und wenn doch eine Kapselfibrose entsteht?
Sollte sich trotz aller Sorgfalt eine behandlungsbedürftige Kapselfibrose entwickeln, ist das kein Grund zur Verzweiflung. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von medikamentöser Unterstützung bis zur operativen Entfernung der verhärteten Kapsel mit gleichzeitigem Austausch des Implantats.[1]
Welcher Weg im Einzelfall der richtige ist, hängt von vielen Umständen ab und will in Ruhe besprochen sein. Zu den konkreten Behandlungsmöglichkeiten gibt es so viel zu sagen, dass sie einen eigenen, ausführlichen Beitrag verdienen — der folgt in Kürze an dieser Stelle.
Wenn Sie bei sich eine Veränderung bemerken oder unsicher sind, vereinbaren Sie gern einen Termin. Wir schauen uns das in Ruhe gemeinsam an.
Literatur
- [1]Safran T, Nepon H, Chu CK, et al. Current Concepts in Capsular Contracture: Pathophysiology, Prevention, and Management. Semin Plast Surg. 2021;35(3):189-197.
- [2]Luvsannyam E, Patel D, Hassan Z, Nukala S, Somagutta MR, Hamid P. Overview of Risk Factors and Prevention of Capsular Contracture Following Implant-Based Breast Reconstruction and Cosmetic Surgery: A Systematic Review. Cureus. 2020;12(9):e10341.
- [3]Tamboto H, Vickery K, Deva AK. Subclinical (biofilm) infection causes capsular contracture in a porcine model following augmentation mammaplasty. Plast Reconstr Surg. 2010;126(3):835-842.
- [4]Del Pozo JL, Tran NV, Petty PM, et al. Pilot study of association of bacteria on breast implants with capsular contracture. J Clin Microbiol. 2009;47(5):1333-1337.
- [5]Deva AK, Adams WP Jr, Vickery K. The role of bacterial biofilms in device-associated infection. Plast Reconstr Surg. 2013;132(5):1319-1328.





