Vorab: Nicht jede Kapselfibrose muss operiert werden
Eine Einordnung ist mir aber zu wichtig, um sie zu übergehen: Nicht jede Kapselfibrose muss operiert werden. Maßgeblich sind allein Ihre Beschwerden. Warum das so ist und wann Beobachten die bessere Entscheidung ist, habe ich Ihnen in einem eigenen Beitrag zu der Frage erklärt, ob eine Kapselfibrose immer operiert werden muss. Wenn Sie noch unsicher sind, ob ein Eingriff für Sie überhaupt infrage kommt, lesen Sie am besten zuerst dort weiter. Hier geht es um das Wie.
Was mit der Kapsel geschieht
Für die verhärtete Kapsel gibt es grundsätzlich zwei Wege. Man kann sie einschneiden und dadurch entlasten, oder man kann sie entfernen, entweder teilweise oder vollständig.
Welcher Weg der richtige ist, hängt vom Befund ab, insbesondere von der Dicke der Kapsel. Bei einer dicken, derben Kapsel ist die vollständige Entfernung meist sinnvoll. Ist die Kapsel dünn, genügt häufig eine Teilentfernung.[1]
Auch unter erfahrenen Chirurginnen und Chirurgen wird darüber aber noch viel diskutiert. Die vollständige Kapselentfernung gilt als Goldstandard. Diese Überzeugung ruht aber auf erstaunlich dünner wissenschaftlicher Grundlage. Eine systematische Übersicht von 2024 hält fest, dass für klare Behandlungsleitlinien nur begrenzte hochwertige Evidenz vorliegt.[2] Randomisierte Studien, die die Verfahren sauber gegeneinander stellen, fehlen. Und die vollständige Entfernung ist nicht harmlos: Eine Auswertung von 7.486 Patientinnen zeigt für sie ein messbar erhöhtes Komplikationsrisiko gegenüber dem schonenderen Vorgehen.[3]
Für Sie bedeutet das: Ich entscheide das nicht nach Schema, sondern nach Ihrem Befund. Mehr zu entfernen ist nicht automatisch besser, sondern nur dann, wenn es Ihnen auch einen echten Mehrwert bringt.
Warum ich Ihnen zum Implantatwechsel rate
Ich lege allen meinen Patientinnen, die sich wegen einer Kapselfibrose operieren lassen, nahe, das Implantat wechseln zu lassen. Auch dann, wenn es intakt ist und vielleicht sogar noch recht neu.
Das überrascht viele zunächst, hat aber einen guten Grund, und er knüpft direkt an die Entstehung an, die ich im Beitrag über die Ursachen der Kapselfibrose ausführlich beschrieben habe. Als führende Erklärung für die Entstehung einer Kapselfibrose gilt eine unterschwellige bakterielle Besiedlung der Implantatoberfläche, ein sogenannter Biofilm, der über Jahre eine stille Entzündung unterhält.[4] Wenn das die Ursache war, dann sitzt sie auf dem alten Implantat. Es wieder einzusetzen hieße, das Problem wieder mit einzusetzen. Ein Wechsel entfernt es dagegen zuverlässig, und das gilt unabhängig davon, ob das Implantat äußerlich unversehrt aussieht.
Das ist auch die Maßnahme mit der besten Datengrundlage von allen. Eine systematische Übersicht fand nach Implantatwechsel Rückfallraten zwischen 0 und 26 Prozent, ohne Wechsel dagegen zwischen 0 und 54 Prozent.[5] Von allen Bausteinen dieser Operation ist der Implantatwechsel damit derjenige, für den am deutlichsten spricht, dass er wirkt.
Die Reinigung der Implantathöhle
Aus derselben Überlegung folgt der nächste Schritt. Wenn wir die Kapsel behandeln und ein neues Implantat einsetzen, muss auch die Implantathöhle selbst gründlich gereinigt werden. Wer schon einmal Blumen in einer Vase stehen hatte, kennt den schmierigen Belag, der sich mit der Zeit an der Innenwand bildet. Frische Blumen hineinzustellen und dabei nur das Wasser zu wechseln, genügt nicht, die Vase selbst muss ausgewaschen werden. Bei diesem Belag handelt es sich im Prinzip um dasselbe, was wir beim Implantat Biofilm nennen. Ein neues, steriles Implantat in eine unzureichend gereinigte Höhle einzubringen, wäre daher wenig sinnvoll.
Manchmal wird in diesem Zuge auch die Implantattasche neu angelegt. Ob das in Ihrem Fall sinnvoll ist, ergibt sich aus dem Befund und besprechen wir vorher.
Wenn Sie kein neues Implantat mehr möchten
Es gibt noch einen Weg, den ich ausdrücklich nennen möchte, weil viele Frauen gar nicht wissen, dass er offensteht: die vollständige Entfernung des Implantats ohne Ersatz, kombiniert mit einer Straffung.
Manche Frauen sind an einem Punkt, an dem sie das Kapitel Implantate schlicht abschließen möchten. Das ist eine völlig legitime Entscheidung. Die Straffung ist dabei der entscheidende Teil, denn nach Jahren mit Implantat und nach Entfernung der Kapsel braucht die Brust eine neue Form. Das erreichen wir mit der Straffung.
Die Ergebnisse sind ermutigend. Eine prospektive Untersuchung an 131 Patientinnen, bei denen Implantat und Kapsel entfernt und gleichzeitig eine Straffung durchgeführt wurde, zeigte deutliche und statistisch hochsignifikante Verbesserungen in allen erfassten Bereichen: körperliches Wohlbefinden, psychisches Wohlbefinden, sexuelles Wohlbefinden sowie Form und Aussehen der Brust.[6]
Eines muss man sich dabei aber bewusst machen: Das Volumen, das Sie über Jahre gewohnt waren, ist danach nicht mehr da, und die Brust wird kleiner sein. Frauen, die diesen Schritt gehen und vorher gut beraten wurden, sind damit erfahrungsgemäß sehr zufrieden. Entscheidend ist, dass Sie vorher realistisch wissen, was Sie erwartet. Genau dafür nehmen wir uns in der Beratung Zeit.
Wie es danach weitergeht
Ich möchte Ihnen nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Eine Kapselfibrose kann auch nach einer gelungenen Behandlung erneut auftreten, und dieses Risiko lässt sich nicht auf null senken. Was sich sehr wohl beeinflussen lässt, ist, wie hoch es ausfällt. Genau darauf zielt jeder einzelne Schritt dieser Operation: die befundgerechte Behandlung der Kapsel, der Wechsel des Implantats und die gründliche Reinigung der Höhle.
Und darauf, dass Sie Ihre Brust wieder als Ihre eigene empfinden.
Wenn Sie Fragen zu Ihrem Befund haben, vereinbaren Sie gern einen Termin. Mehr zu Implantaten, Methoden und Ablauf finden Sie auf unserer Seite zur Brustvergrößerung in Leipzig.
Literatur
- [1]Hidalgo DA, Weinstein AL. Surgical Treatment for Capsular Contracture: A New Paradigm and Algorithm. Plast Reconstr Surg. 2020;146(3):516-525.
- [2]Boyd CJ, Chiodo MV, Lisiecki JL, Wagner RD, Rohrich RJ. Systematic Review of Capsular Contracture Management following Breast Augmentation: An Update. Plast Reconstr Surg. 2024;153(2):303e-321e.
- [3]Xu HH, Abi-Rafeh J, Davison P, Winocour S, Matros E, Vorstenbosch J. Complications of Aesthetic and Reconstructive Breast Implant Capsulectomy: An Analysis of 7486 Patients Using Nationwide Outcomes Data. Aesthet Surg J. 2024;44(9):936-945.
- [4]Deva AK, Adams WP Jr, Vickery K. The role of bacterial biofilms in device-associated infection. Plast Reconstr Surg. 2013;132(5):1319-1328.
- [5]Wan D, Rohrich RJ. Revisiting the Management of Capsular Contracture in Breast Augmentation: A Systematic Review. Plast Reconstr Surg. 2016;137(3):826-841.
- [6]Messa CA. Breast Explantation With Simultaneous Mastopexy and Volume Restoration: An Analysis of Clinical Outcomes and Prospective Quality of Life. Aesthet Surg J. 2023;43(8):840-852.





