Was die Studien auf den ersten Blick zeigen
Zunächst klingt vieles vielversprechend. Mehrere Zusammenfassungen zahlreicher randomisierter Studien, also der aussagekräftigsten Form klinischer Untersuchungen, fanden, dass die Einnahme von hydrolysiertem Kollagen die Feuchtigkeit und die Elastizität der Haut verbessern kann.[1]
Auch der theoretische Hintergrund wirkt plausibel. Kollagen ist ein Eiweiß, also ein Protein, und damit im Grunde eine lange Kette aus vielen kleinen Bausteinen, den Aminosäuren, die über sogenannte Peptidbindungen aneinandergereiht sind. Diese Kette nimmt der Körper nicht als Ganzes auf. Bei der Verdauung wird sie im Darm zunächst in kürzere Bruchstücke, die Peptide, und in einzelne Aminosäuren zerlegt. Einige dieser Bruchstücke sind anschließend tatsächlich im Blut und sogar in der Haut nachweisbar und können dort die Bindegewebszellen zur Arbeit anregen. So weit die gute Nachricht.
Der Knackpunkt: Wer hat die Studien bezahlt?
Und jetzt kommt der Punkt, der mir als Wissenschaftlerin besonders wichtig ist. Im Jahr 2025 nahm sich eine große Untersuchung im renommierten American Journal of Medicine 23 dieser randomisierten Studien noch einmal genauer vor und sortierte sie nach einem entscheidenden Kriterium: Wer hatte die jeweilige Studie finanziert?
Das Ergebnis zeigte hier ein interessantes Muster: Über alle 23 Studien zusammengenommen verbesserte Kollagen Feuchtigkeit, Elastizität und Fältchen. Trennte man die Studien jedoch danach, wer sie finanziert hatte, blieb ein Effekt im Wesentlichen nur in den industrienah finanzierten Untersuchungen bestehen. Und ordnete man sie nach ihrer methodischen Qualität, war in den hochwertigsten Studien kein sicherer Nutzen mehr nachweisbar.[2]
Hier lohnt sich jedoch ein zweiter, fairer Blick, statt vorschnell abzulehnen. Man muss sich fragen: Wer hat überhaupt ein Interesse daran, eine solche Studie zu finanzieren, die schnell Zehntausende von Euro kostet? Nachvollziehbarerweise vor allem jemand, der mit dem Produkt Geld verdient. Dass daher die meisten Studien aus der Industrie stammen, ist wenig verwunderlich. Und solange sich keine unabhängige Forschungsgruppe an eine große, hochwertige Studie wagt, werden wir schlicht keine endgültige Antwort bekommen.
Und genau das ist die eigentliche Lehre aus diesem Beispiel. Eine einzelne Studie ergibt noch kein vollständiges Bild, und erst die kritische Betrachtung der gesamten Studienlage, samt der Frage, wer sie finanziert hat, führt einen zumindest näher an die Wahrheit heran.
Was nachweislich wirkt
Wenn Sie etwas für Ihre Haut und Ihre Heilung tun möchten, empfehle ich Ihnen, Ihr Geld und Ihre Energie zuerst in die Maßnahmen zu stecken, deren Wirkung tatsächlich belegt ist.
Dazu gehört an erster Stelle ein konsequenter Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor, denn UV-Strahlung ist der größte einzelne Faktor der Hautalterung, den Sie selbst beeinflussen können.[3] Ebenso wirksam ist der Verzicht auf Nikotin, das die Haut vorzeitig altern lässt und die Wundheilung nachweislich stört.[4] Um es deutlich zu sagen: Eine Schachtel Zigaretten am Tag und regelmäßige Solariumbesuche macht auch der teuerste Kollagendrink nicht wett.
Nach einer Operation unterstützt eine ausreichend proteinreiche Ernährung Ihren Körper bei der Reparatur des Gewebes.[5] Und wer gezielt in Hautpflege investieren möchte, ist mit einem Präparat aus Vitamin-A-Säure meist besser beraten als mit teuren Alternativen.[6]
Erst wenn diese Grundlagen stehen, lohnt der Blick auf das Extra. Wer diese Basis geschaffen hat, schadet sich mit einem Kollagenpräparat nicht und tut sich damit womöglich sogar etwas Gutes. Wichtig ist allein die Reihenfolge: zuerst das, was mit Sicherheit etwas bringt, dann das Mögliche.
Und was ist mit Behandlungen, die das Bindegewebe anregen?
Viele Patientinnen fragen mich an dieser Stelle, ob sich das Bindegewebe nicht auch von außen anregen lässt, statt auf ein Präparat zu setzen. Der Gedanke ist naheliegend, und es gibt Verfahren, die genau dort ansetzen.
Beim Microneedling werden mit feinsten Nadeln gezielt kleine Reize in der Haut gesetzt, auf die das Gewebe mit natürlichen Reparatur- und Umbauprozessen reagiert. Beim Fadenlifting spielt neben dem mechanischen Halt der Fäden ebenfalls die Gewebereaktion eine Rolle.
Ob eines dieser Verfahren für Sie infrage kommt, hängt von Ihrem Hautbild, Ihrem Alter und Ihren Erwartungen ab. Das lässt sich seriös nicht pauschal beantworten, sondern nur im persönlichen Gespräch. Was ich Ihnen aber mitgeben möchte: Auch hier gilt dieselbe Reihenfolge wie oben. Sonnenschutz und Nikotinverzicht sind die Basis, auf der alles andere überhaupt erst sinnvoll aufbaut.
Literatur
- [1]Dewi DAR, Arimuko A, Norawati L, et al. Exploring the Impact of Hydrolyzed Collagen Oral Supplementation on Skin Rejuvenation: A Systematic Review and Meta-Analysis. Cureus. 2023;15(12):e50231.
- [2]Myung SK, Park Y. Effects of Collagen Supplements on Skin Aging: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Am J Med. 2025;138(9):1264-1277.
- [3]Hughes MCB, Williams GM, Baker P, Green AC. Sunscreen and prevention of skin aging: a randomized trial. Ann Intern Med. 2013;158(11):781-790.
- [4]Sørensen LT. Wound healing and infection in surgery: the clinical impact of smoking and smoking cessation: a systematic review and meta-analysis. Arch Surg. 2012;147(4):373-383.
- [5]Seth I, Lim B, Cevik J, Gracias D, Chua M, Kenney PS, Rozen WM, Cuomo R. Impact of nutrition on skin wound healing and aesthetic outcomes: A comprehensive narrative review. JPRAS Open. 2024;39:291-302.
- [6]Sitohang IBS, Makes WI, Sandora N, Suryanegara J. Topical tretinoin for treating photoaging: A systematic review of randomized controlled trials. Int J Womens Dermatol. 2022;8(1):e003.





